DGB Index "Gute Arbeit 2022"

Wie Digitalisierung die Arbeit der Beschäftigten verändert

  • 08.12.2022
  • Aktuelles, Betriebe

Digitale Arbeitsmittel prägen den Alltag vieler Beschäftigter. Wie aber wirkt sich der Einsatz moderner Technologien auf die Arbeitsbedingungen und Arbeitsbelastungen aus? Das hat der DGB-Index Gute Arbeit untersucht. Die repräsentative Studie zeigt: Gute digitale Arbeit muss aktiv gestaltet werden.

Digitale Geräte sind aus der Arbeitswelt nicht wegzudenken. Der Anteil der Beschäftigten in Deutschland, die mit digitalen Mitteln arbeiten, ist hoch, er wächst immer weiter. Der aktuelle DGB-Index Gute Arbeit zeigt: 83 Prozent der Kolleginnen und Kollegen verwenden bei ihrer Arbeit digitale Technik. Für knapp zwei Drittel von ihnen (63 Prozent) prägen digitale Anwendungen den Arbeitsalltag im hohen Maß.

Prinzipiell gilt hier: Der Grad der Digitalisierung hängt stark mit den Anforderungen der Tätigkeit zusammen. Je höher die Qualifikationsanforderungen, desto häufiger wird mit digitaler Technik gearbeitet.

Die Ergebnisse der repräsentativen DGB-Umfrage unter knapp 7000 Beschäftigten zeigen nun: Viel zu oft nutzen Unternehmen neue digitale Technologien, ohne dabei die Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen mitzudenken. Und viel zu oft werden Interessenvertretungen und Beschäftigte nicht ausreichend in die Veränderungsprozesse einbezogen. Insgesamt drei Viertel der Befragten können keinerlei Einfluss auf die Digitalisierung ihrer Arbeit nehmen.


Mehr Stress durch Digitalisierung

Digitale Arbeitsmittel werden nur selten so eingesetzt, dass sie die Arbeitsbelastung reduzieren. Nur knapp zehn Prozent (es sind exakt 9 Prozent) der digitalisiert Arbeitenden nehmen eine Entlastung wahr. Dagegen sehen sich 40 Prozent durch die Digitalisierung stärker belastet. Eine mögliche Ursache ist eine stärkere Fremdbestimmung bei der Geschwindigkeit der Arbeitsausführung. Wenn vernetzte Geräte oder algorithmische Systeme das Tempo vorgeben, bleibt oft die selbstbestimmte Arbeitsgestaltung auf der Strecke.
 

Häufig keine Pause zwischen Videokonferenzen

Die Technik macht es möglich, eine Videokonferenz unmittelbar auf die nächste folgen zu lassen. Ehemals besprechungsfreie Zeiten zwischen zwei Terminen können dadurch wegfallen – und so Stress verursachen. Jeder und jede Vierte berichtet, dass (sehr) häufig eine Videokonferenz ohne Pause auf die andere folgt. Knapp die Hälfte der Betroffenen (48 Prozent) nimmt dieses pausenlosen Videobesprechungen als Mehrbelastung wahr.

 

Viele Beschäftigte fühlen sich der Technik ausgeliefert

Die Zahlen zeigen auch: Nur jeder vierte Beschäftigte, der mit digitalen Geräten arbeitet, kann Einfluss darauf nehmen, wie der eigene Arbeitsplatz durch die Digitalisierung verändert wird. Je geringer aber die Beteiligung an den Veränderungsprozessen ausgeprägt ist, desto häufiger fühlen sich Beschäftigte der digitalen Technik ausgeliefert.

 

Mitbestimmung hat positiven Einfluss

Es gibt aber auch eine gute Nachricht. Die Umfragedaten zeigen: Betriebliche Mitbestimmung hat einen klar messbaren, positiven Einfluss beim Einsatz von digitaler Technik. Immer dann, wenn Beschäftigte Einfluss auf die Digitalisierung ihrer Arbeit nehmen können, bewerten sie die Veränderungen positiver. Und immer dort, wo ein Betriebsrat im Unternehmen gewählt wurde, gibt es häufiger betriebliche Regelungen, mit denen die Beschäftigten vor unerwünschten Folgen, vor Belastungen und Stress geschützt werden.